WAZ, Mai 2006

WAZ Wattenscheid

Ich weiß, was für uns am besten klingt

25.05.2006 / LOKALAUSGABE / WATTENSCHEID

Ich weiß, was für uns am besten klingt

Winfried Dördelmann vor dem
Bundesfinale über seine Rolle als Chorleiter

Über das heutige Finale des Bundeschorwettbewerbs
in Kiel sprach Winfried Dördelmann, Leiter
des Laienchors "Singing Sound", mit WAZ-Volontär
Christoph van Bürk.

Heute vertritt "Singing Sound" die nordrhein-westfälischen
Landesfarben beim großen Finale. Sind Sie
als Chorleiter besonders nervös?
Dördelmann: Eine Spannung ist da. Das ganze
Umfeld eines solchen Wettbewerbs lässt
den Adrenalin-Spiegel in die Höhe gehen.
Aber nervös bin ich nicht. Die Vorbereitungen
laufen schon seit dem Landeswettbewerb
im November 2005, und vor zwei Monaten
haben wir mit dem Konzert im Thürmer-Saal
ja den Ernstfall geprobt. Wir sind gut
vorbereitet, den Rest macht die Jury.

Was macht ein Chorleiter an so einem entscheidenden
Tag wie heute?
Dördelmann: Am Wettbewerb nehmen insgesamt
4000 Sängerinnen und Sänger teil, deshalb
haben wir von unserem Hotel erst einmal
eine Stunde Anfahrt nach Kiel. Uns stehen
30 Minuten für eine Stellprobe zur Verfügung.
Dann richten sich Chor und Band ein, machen
sich mit der Bühne und der Akustik vertraut.
Ich muss darauf achten, dass das Verhältnis
von Bühne und Chor sowie das Verhältnis
von Band und Chor stimmt.

Mal ganz unbescheiden. Was ist Ihr Anteil
am bisherigen Erfolg von "Singing Sound"?
Dördelmann: Wir singen "Tears in Heaven"
von Eric Clapton, "Kiss from a Rose" von
Seal, "It's Raining Men" von den Weather
Girls und in Jazz-Form "How Deep Is Your
Love" von den Bee-Gees. Solche Pop-Songs
sind ja nicht für einen Chor ausgelegt.
Da stecken einige Wochen Arbeit drin, solche
Stücke für einen Chor zu arrangieren. Ich
weiß, was für uns am besten klingt, wer
die Melodien übernimmt und wer sie in
welcher Weise singt. Der spannendste Augenblick
ist dann immer die erste Probe mit den
frischen Noten.

Wie kann ein Chorleiter den Erfolg bei
so einem Wettbewerb wie dem heutigen beeinflussen?
Dördelmann: Wie ein Trainer eine Fußballmannschaft
beeinflussen kann. Ich höre sehr kritisch
hin und achte zunehmend auf die Feinheiten.
Ob wir die Noten treffen, ob die Dynamik
stimmt, das Lauter- und Leiser werden, das
Atmen. Am Ende muss sich jeder im Chor
sicher fühlen.

Ein Chorauftritt - das ist mehr als stehen
und singen?
Dördelmann: Sicherlich. Ein Chor singt
nicht für sich, er muss Ausstrahlung haben
und nach außen singen. Da muss was zum
Publikum rüberkommen, da muss Drive drin
sein. Darauf haben wir bei unseren Auftritten
immer Wert gelegt. Für "It's Raining Men"
haben wir sogar eine Choreografie mit Schirmen
einstudiert.

Was sagt Ihr Ehrgeiz zum "Endspiel" in
Kiel?
Dördelmann: Wir treten in der Kategorie
"Jazzchor mit Combo" gegen acht Konkurrenten
an. Für uns ist es die Krönung schlechthin,
dass wir überhaupt dabei sind. Zumal der
Bundeswettbewerb nur alle vier Jahre stattfindet.
Nur Letzter wollen wir nicht unbedingt
werden.

Und wie halten Sie's mit dem ersten Platz?
Wie kann "Singing Sound" gewinnen?
Dördelmann: Keine Ahnung, was die Jury
erwartet. Aber wir singen nicht für Bewertungen,
sondern so, wie wir sind. Wir haben unsere
Art aufzutreten und schmeißen die nicht
nur für einen Wettbewerb hin. Wir gewinnen
nicht, wenn etwas aufgesetzt wirkt. Am
Samstag um 11.30 Uhr wissen wir mehr, dann
werden die Ergebnisse auf dem Kieler Rathausplatz
bekannt gegeben.


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